
Tony Blair hat seine Kandidatur für das Amt des EU-Präsidenten noch nicht formal geltend gemacht. Der Erfolg einer Online-Petition zeigt aber dass seine Aussichten bereits schwinden.
[Paris, 12 Oktober 2009] Seit Tony Blair mit der im Juli Angekündigten Unterstützung durch die britische Regierung wieder für das Amt des Präsidenten des Europäischen Rates im Gespräch ist, wurden die Organisatoren der Stop Blair! Online-Petition (http://stopblair.eu) zur Reaktion gezwungen, weil tausende neue Unterschriften einströmten. Der frühere Premierminister ist nicht einmal offizieller Kandidat für diese neue Stelle, aber das irische "Ja", welches die schnelle Ratifizierung des Lissabonner Vertrags in Aussicht gestellt hat, war anscheinend der Startschuss für seine Kampagne — die eine Welle des offiziellen und gesellschaftlichen Widerstands ausgelöst hat.
Obwohl Artikel in der britischen Presse behaupten, der Sieg Blairs sei praktisch schon ausgemacht, bleiben die Medien auf dem Kontinent unbeeindruckt. Als weitere Kandidaten sind frühere und heutige Premierminister wie Felipe Gonzàles, Jan-Peter Balkenende und Jean-Claude Juncker, sowie die frühere Irische Präsidentin Mary Robinson im Gespräch. Es ist auch keineswegs sicher dass der französische Präsident oder die deutsche Kanzlerin sich entschieden haben Blair zu unterstützen. Der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten der französischen Nationalversammlung und prominentes Mitglied der Regierungspartei, Axel Poniatowski, hat vor einigen Tagen im französischen Rundfunk Hindernisse, wie Blair’s Rolle bei der Invasion des Iraks und die Tatsache, dass das Vereinigte Königreich unter seiner Führung weder dem Euro noch Schengen beigetreten ist, unterstrichen.
"Wir sehen Nachrichten dass Länder wie Belgien, Schweden, Luxemburg, Österreich, und Griechenland nicht begeistert sind", sagt John Evans, Stop Blair! Koordinator für den European Tribune, welcher die Petition initiiert hat. "Kleine EU-Staaten haben keine Lust, von einem autokratischen Repräsentant der großen Staaten überrollt zu werden. Auf Grund tausender Kommentare auf der Petitionsseite und anderswo wird deutlich, dass Tony Blair auf Ablehnung stößt.
Während eine verdeckte Kampagne in der britischen Presse seiner Benennung den Schein der Unabwendbarkeit zu geben versucht, bleibt Tony Blair vom Amt weit entfernt.